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Geht die Jugend zum Teufel?
Jugendsatanismus - Mythos und Realität


Jugendsatanismus ist, soviel kann ohne weiteres gesagt werden, ein aktuelles Thema. seit gut zehn Jahren finden sich in der deutschsprachigen Presse immer wieder Berichte von Spuren satanistischer Aktivität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, seien dies Graffittis mit einschlägigem Inhalt an Kirchen und Kirchgemeindehäusern, oder Hinterlassenschaften auf Friedhöfen oder gar Grabschändungen. Zum andern finden sich ab und an in seriöseren und weniger seriösen Medien Erfahrungsberichte Jugendlicher, die eine Zeitlang einem satanistischen Kreis angehört haben wollen und Furchtbares und Erschütterndes zu berichten wissen. Auf diesen Trend ist mittlerweile auch die Fernseh-Film-Branche eingestiegen und hat verschiedene Werke zum Thema vorgelegt, etwa den Film "Kinder des Satans", in welchem eine Gruppe Jugendlicher mit ungeheurem Aufwand an Liturgik und Infrastruktur Schwarze Messen feiern (wie den Jugendlichen dieser gewaltige Einsatz von Mitteln möglich ist, bleibt selbstredend offen). Filme dieser Art beflügeln dann wiederum die Phantasien von Jugendlichen, die gerne satanistisch tätig werden möchten. Beratungsstellen auf dem Feld der religiösen Gegenwart sehen sich konfrontiert mit Anfragen beunruhigter Eltern, die angesichts satanistischer Symbolik in den Zimmern ihrer Kinder und/oder analogem Musikkonsum Befürchtungen hegen, ihr Kind könnte in eine satanistische Organisation hineingeraten sein.
Angesichts dieser Situation wird gerne von einer "Welle des Jugendsatanismus" gesprochen, die nun aber seit 1985, als erste Presseberichte zum Thema erschienen, andauern würde. Für eine Welle ist dieser Zeitrahmen von bald 15 Jahren eindeutig zu lang (man bedenke, dass die Soziologie eine kulturelle Generation heute mit der Dauer von fünf Jahren beziffert). Die Gründe für den Jugendsatanismus können folglich nicht in der Mode liegen, es ist vielmehr nach strukturellen Ursachen zu suchen. Von diesen, den strukturellen Motiven, die Jugendliche dazu veranlassen, sich satanistisch zu betätigen, soll im Folgenden die Rede sein.



1 Vorgehen

Zum Jugendsatanismus sind verschiedene Verstehenszugänge praktikabel: Psychologischer Interpretation wird der Satanismus als Umgang mit verdrängten Persönlichkeitsanteilen oder, jungianisch gesprochen, mit dem Schatten ein Thema sein; die Entwicklungspsychologie wird sich für altersbedingte Spannungen zwischen rationalem und magischem Denken interessieren und die Umwertung der Werte, wie sie im Satanismus geschieht, als Zwischenstufe zwischen der Uebernahme elterlicher Wertmassstäbe und der Entwicklung eigener Werthaltungen würdigen. Diese im Grunde thetischen Interpretationen, die das Phänomen des Satanismus aus vorgebildeten Theoriekonzepten verstehen wollen, ergänzt die religionswissenschaftliche Betrachtungsweise, der im folgenden nachgelebt werden soll, durch einen empirischen Zugang. Am Anfang steht die Erhebung dessen, was ist. Der Jugendsatanismus ist so darzustellen, wie er gepflegt wird, in seinen durchaus sehr verschiedenen Ausprägungen. Die Interpretation wird aus den erhobenen Phänomenen heraus geschehen und dafür offen sein, dass verschiedene Ausprägungen des Jugendsatanismus durchaus auf differente, ja zum Teil gegensätzliche Motive zurückgehen mögen. Am Ende steht keine reduktionistische Theorie im Sinne eines "Jugendsatanismus ist nichts anderes als ...", sondern eine Beschreibung der Vielfalt des Phänomens und der Vielzahl von Motiven.


2 Quellen

Auf den ersten Blick mag überraschen, dass die Quellenlage in Sachen Jugendsatanismus trotz der breiten Diskussion in den Medien eher schlecht ist. Diese problematische Quellenlage begründet sich in der Tatsache, dass Satanisten naturgemäss wenig auskunftsfreudig sind und manche Gemeinschaften, seien dies nun wohlorganisierte Satanisten oder bloss spontane Gruppen, Geheimnisverrat mit Strafe bedrohen.

Dazu kommt als weiteres Problem eine Unzahl von Berichten angeblich Ehemaliger, die zumindest wenig glaubwürdig, wenn nicht gar frei erfunden sind. Gerade wegen der Geheimniskrämerei, die den Satanismus umgibt, ist dieses Thema ein Feld, auf welchem sich Menschen mit Geltungsbedürfnis mit einer recht kleinen Gefahr ihrer Enttarnung bewegen können. Das Medieninteresse sorgt für Publikation der so entstandenen Erzählungen. Zuzüglich ist der Satanismus sehr geeignet, Aengsten und Wahnvorstellungen von Menschen mit psychischer Erkrankung eine Sprache zu geben. Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf das Buch "Lukas - Vier Jahre Hölle und zurück", das wohl viel mit einer Erkrankung paranoid-schizophrenen Typs, aber wenig mit effektivem Satanismus zu tun hat.


Berichte dieser Art, die entweder einem Geltungsbedürfnis oder aber einer psychischen Belastung des betreffenden Jugendlichen entspringen, finden ab und an auch Eingang in Werke von Okkultismus-Experten, die bei jeder Erzählung von der manchmal kaum endgültig zu beantwortenden Frage stehen, ob dem Bericht nun Glauben geschenkt werden kann oder nicht.


Im Folgenden wird ein recht kritischer Zugang zu "Ehemaligenberichten" vertreten, ausgehend von der Ueberlegung, dass das Schüren übersteigerter Aengste und Verschwörungsphantasien im Zusammenhang mit dem Jugendsatanismus weder zur Deutung des Phänomens als Ganzes noch zur realistischen Einschätzung eines konkreten Einzelfalls dienlich ist.



3 Zahlen

Nach Umfragen unserer Beratungsstelle, die keinesfalls als repräsentativ gelten können, aber infolge ihrer grossen Zahl doch den Rang eines Erfahrungswertes in Anspruch nehmen, haben sich rund 5% der Jugendlichen zwischen 15 und 20 schon mal in irgendeiner Form satanistisch betätigt (dies werden in den wenigsten Fällen schwarze Messen sein, zumeist geht es um Satansanrufungen auf dem Friedhof u.ä.).

Satanistische Betätigung ist deutlich mit dem Bildungsstand korreliert. Absolventen von Oberschule und Realschule interessieren sich stärker für satanistische Praxis als Gymnasiasten. Hier zeigt sich eine Differenz etwa zum Gläserrücken, das durchaus auch von Gruppen von Gymelern in einem experimentalen Sinne praktiziert werden kann.


Satanismus stösst bei männlichen Jugendlichen auf grösseres Interesse als bei weiblichen Jugendlichen, ein Befund, der mit dem Männerüberschuss in satanistischen Organisationen Erwachsener in Uebereinstimmung steht. Wiederum zeigt sich hier ein klarer Unterschied zu spiritistischen und divinatorischen Praktiken wie Gläserrücken oder Tarotkarten-Legen, welche mehrheitlich von weiblichen Jugendlichen betrieben werden.


Satanistisch interessierte Jugendliche zeigen keinerlei signifikante Tendenz, was ihre religiöse Sozialisation anbelangt. Es finden sich Kinder von Atheisten, von Esoterikern, von kirchenfremden Christen, von kirchlich engagierten Menschen, gar von Freikirchen-Mitgliedern. Die in der Vergangenheit wahrscheinliche Korrelation von konservativ-katholischer Erziehung und satanistischem Interesse ist zumindest im Raum Zürich nicht mehr signifikant feststellbar. Etwas überdurchschnittlich vertreten scheinen Kinder aus Elternhäusern zu sein, die sich mit Praktiken des Wahrsagens beschäftigen. Dieses Phänomen mag allerdings schichtspezifisch zu erklären sein.



4 Jugendsatanismus heute

Der heutige Jugendsatanismus kann nach religionswissenschaftlichen Gesichtspunkten in folgende Bereiche unterteilt werden: den experimentellen Satanismus, der Satan als Hypothese wahrnimmt, die geprüft werden soll oder die bestimmten Zwecken, etwa der Abgrenzung, dient, den weltanschaulich-religiösen Satanismus, für den die Existenz Satans Inhalt des Glaubens ist und der, zumindest ansatzweise, eine satanistische Weltanschauung entwirft, und den pathologischen Satanismus, welcher von psychischen Problematiken getrieben wird. Im einzelnen können die genannten Phänomene selbstredend ineinander übergehen.


4.1 Experimenteller (hypothetischer) Satanismus

Einen experimentellen, hypothetischen Zugang zum Satanismus zeigen Jugendliche, die Satanismus als Freizeitbeschäftigung betreiben, Musikgruppen, die sich des Satanismus bedienen, um den Verkauf ihrer Produkte anzukurbeln, Menschen, die sich durch den Satanismus von der Erwachsenenwelt resp. der "Normal"-Gesellschaft abgrenzen wollen und Gruppen Jugendlicher, die den Satanismus zur Ausgestaltung ihrer Gruppenidentität verwenden. Gemeinsames Kennzeichen dieser Formen des experimentellen Satanismus ist die Tatsache, dass den involvierten Menschen die Existenz Satans fraglich oder gar im Grunde gleichgültig ist. Es geht um anderes.


4.1.1 Satanismus als Freizeitbeschäftigung

Eine der am weitesten verbreiteten Formen des Jugendsatanismus stellt die satanistische Betätigung als Freizeitbeschäftigung dar. Sei es, dass bei einer feuchtfröhlichen Runde die Idee aufkommt, es doch auf dem Friedhof mal mit einer Satansanrufung zu versuchen, um zu schauen, ob sich da was tut, sei es, dass während eines Jugendlagers Schwächen in der Gestaltung des Abendprogramms nach zusätzlichen Spannungselementen schreien und so Satanismus als interessante Beschäftigung ins Blickfeld rückt, sei es, dass förmlich wissenschaftliche Neugier die Jugendlichen veranlasst, die Hypothese Satanismus mal zu überprüfen, immer geht es darum, eigene Erlebnisse zu machen. Und immer handelt es sich um eine Kombination von Suche nach Spannung und Neugier, was sich da tut. Das Motto dieser Form des experimentellen Satanismus kann im folgenden Satz eines Jugendlichen zusammengefasst werden: "Wenn ich eine Satansbeschwörung mache, und da tut sich nichts, dann war da nichts".

Satanismus als Freizeitbeschäftigung findet in spontanen, wechselnden Gemeinschaften statt. Ein Uebergang zum weltanschaulich-religiösen Satanismus ist aber möglich, insbesondere dann, wenn im Anschluss an das satanistische Experiment Erfahrungen gemacht werden, die als Bestätigung der satanistischen Hypothese interpretiert werden. In den meisten Fällen bleiben solche Erfahrungen aus, das satanistische Experiment bleibt Episode.



4.1.2 Satanismus als Verkaufsschlager

In den 70er und 80er Jahren wurden Musikgruppen, die auf Cover und in Texten von satanistischer Ideenwelt und Symbolik regen Gebrauch machen, intensiv diskutiert. Zumeist steht hinter diesem "Musik"-Satanismus keine effektive Weltanschauung der Musikgruppe, der Satanismus dient als Verkaufsschlager. Aehnlich nehmen dies auch die HörerInnen der betreffenden Produkte wahr. Die wenigsten Konsumenten der "satanistischen" Heavy-Metal-Bands werden selbst satanistisch aktiv. In den 90er Jahren ist es deshalb um diesen Bereich des Satanismus eher stiller geworden.


4.1.3 Satanismus als Protest

Für die Hörerschaft "satanistischer" Musik kann diese Stilwahl eine Protesthaltung gegenüber Eltern und Erwachsenenwelt, aber auch gegenüber anderen Jugendlichen beinhalten. Satanismus als Protesthaltung ist die zweite recht häufig verbreitete Form des Jugendsatanismus. Mancher Jugendliche dekoriert sein Zimmer mit satanistischen Symbolen, oder was er dafür hält, insbesondere in der Absicht, damit seine Familie zu erschüttern.

In unserer Zeit eignet sich der Satanismus als Protestform Jugendlicher insbesondere wegen seiner Zweifrontenposition. Ein jugendlicher Satanist schockiert seine christlichen Eltern, weil er ihre Religion umkehrt und verballhornt, seine atheistischen Eltern aber nicht weniger, weil er sich einer religiösen Macht unterwirft und die Kraft der Vernunft verabschiedet. Insofern treffen sich im Satanismus protestbereite Jugendliche aus christlichen wie aus atheistischen Elternhäusern.


Jugendsatanismus als Protestform passt daneben bestens in die Entpolitisierung und Individualisierung der Jugend hinein. Statt gemeinsamer politischer Aktion zur Veränderung der Gesellschaft wird zwecks Protest das eigene Zimmer satanistisch dekoriert. Damit zeigt sich gerade im Protest eine weitgehende Uebernahme der Ideenwelt der gegenwärtigen Gesellschaft: Unserer Gestaltung ist nurmehr der eigene Privatbereich zugänglich.


Tritt der Jugendsatanismus über den individuellen Raum hinaus, sind seine Aktionen weitgehend destruktiv: Schmierereien, Grabschändungen und derartiges wird ab und an ausgeführt. In der Destruktivität dieses Protestes zeigt sich dessen Hilflosigkeit: Er hat keinerlei Gestaltungskraft, er entwirft keine positive Alternative zur Gesellschaft. Er bleibt im Neinsagen stecken.



4.1.4 Satanismus als Gruppenidentität

Jugendsatanismus dient in zahlenmässig nicht häufigen Fällen dazu, eine Gruppe meist männlicher Jugendlicher zu definieren und von anderen Gruppen abzugrenzen. Vom weltanschaulich-religiösen Satanismus unterscheidet sich dieser Gebrauch dadurch, dass der Satanismus sich hier nicht verbirgt, sondern sich gerade möglichst plakativ gegen aussen zeigt.

Hintergrund des Phänomens ist der Bedarf an klarer Definition der eigenen Gruppe insbesondere in einem gesellschaftlichen Kontext, der durch ethnisch definierte Gemeinschaften geprägt ist. Insofern kann nicht erstaunen, dass Gruppen, die sich durch Satanismus definieren, vorwiegend aus Kindern von Schweizern bestehen.


In solchen sich durch Satanismus definierenden Gruppen Jugendlicher spielen die vielzitierten satanistischen Aufnahme-Mutproben eine Rolle, die aber im Grunde nur eine Fortsetzung in Gruppen Jugendlicher üblicher Mutproben sind, die nun mit einem satanistischen Kontext versehen werden.


Der liturgische Aufwand dieser Gruppen ist meist gering, geht es ihnen ja weniger um Bekräftigung eines Glaubens gegen innen, sondern um Abgrenzung gegen aussen. Was geübt wird, ist meist von Filmen und Presseberichten inspiriert und trägt klar experimentellen Charakter, etwa durch die Suche nach dem immer noch grösseren emotionalen "Kick". In unserer Beratungsstelle bekannten Fällen steht das Opfern von Tieren im Vordergrund. Sexuelle Praxis ist Jugendlichen zumeist nicht angenehm (womit sich hier ein Unterschied zum Satanismus Erwachsener zeigt, wo der Sex im Vordergrund steht, dem Opfer jedoch eher randständiger Charakter zukommt).


Der Uebergang einer solchen Gruppe zum religiös-weltanschaulichen Satanismus ist zwar möglich, aber nicht häufig zu beobachten. Zumeist wendet sich die Gruppe bald anderen Themen zu (oder bricht auseinander).



4.1.5 Exkurs: die "Grufties"

Das Phänomen der sogenannten "Grufties", die, zumeist schwarz gekleidet, sich gerne auf Friedhöfen trafen und "New Wave"-Musik hörten, hat anfangs der 90er Jahre die Presse stark beschäftigt. Zumeist wurden die "Grufties" ohne weiteres als Satanisten angesprochen. Zwar trifft es zu, dass manch ein "Gruftie" sich satanistisch weiterbildete und/oder von satanistischen Zirkeln angeworben wurde, den meisten "Grufties" war Satan aber kein Anliegen. Ihr Outfit und ihre Praktiken entsprangen vielmehr einer morbiden Grundstimmung, die das einigende Element der "Gruftie"-Szene darstellte. Inzwischen sind die Grufties im Gegensatz zum Jugendsatanismus praktisch verschwunden, was deutlich belegt, dass der Zusammenhang der beiden Phänomene ein gar so enger nicht gewesen sein kann.


4.2 Der weltanschaulich-religiöse Satanismus

Dem weltanschaulich-religiöse Satanismus ist es nicht um Experimente, und auch nicht um Fun zu tun, sondern er beansprucht, eine satanistische Weltsicht zu entwerfen, die mit anderen Sinnangeboten konkurrieren kann. Hier ist einiges an Denkaufwand gefordert, weshalb ein ausgebauter weltanschaulicher Satanismus sich nur unter Erwachsenen findet. Jugendliche weltanschauliche Satanisten sind von diesen Vorgaben Erwachsener abhängig. Von einer spezifischen Jugendkultur kann zumindest bei dieser Facette des Jugendsatanismus folglich nicht gesprochen werden.

Der weltanschaulich-religiöse Jugendsatanismus tritt in zwei Formen auf, die durch ihre Auffassung von Satan und seiner Wirkung geschieden werden können: Die eine Richtung sieht in Satan ein (blosses) Symbol für eine beabsichtigte Umwertung aller Werte, die andere Richtung glaubt an Satan als metaphysische Macht, die ihren Anhängern Kraft für die Lebensbewältigung schenkt.



4.2.1 Satan als Symbol

Die Auffassung von Satan als Symbol für eine Umwertung aller Werte entstammt dem Denken des Gründers der Church of Satan, Anton Szandor LaVey. LaVey übernahm von Aleister Crowley dessen satanistische Wertetafel unter Verzicht auf Crowleys metaphysische Spekulationen. Satan wird zum blossen Symbol für die neue Ethik.

Der Inhalt dieser neuen Moral besteht aus einem ungebremsten Egoismus, der sich durch nichts in irgendeiner Form einschränken lässt. Einziges Lebensziel ist das eigene Wohlergehen. Mitmenschen sind nur von Belang, insofern sie einem zur Verwirklichung der eigenen Ziele dienen.


Diese neue Wertsetzung empfindet sich in starker Spannung zu den sozialen Werten des Christentums, aber auch des Humanismus. Sie kann aber für sich geltend machen, dass die gesamtgesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre sich eher zu ihr hin als von ihr weg bewegte. Eine gewisse Grundplausibilität dieser "satanistischen Werte" bei der gegenwärtigen Jugend braucht insofern nicht zu überraschen. Hier wird manches deutlich ausgesprochen, was anderswo verschämt bemäntelt, aber nichts desto trotz praktiziert wird.


Der Gedanke des Protestes gegen die Gesellschaft ist hier deshalb allerdings nur schwer aufrecht zu erhalten. Satanisten schwanken so in ihrer Begründung zwischen "Wir tun das Gegenteil von dem, was üblich ist" und "Wir stehen nur zu dem, was alle heimlich tun" hin und her.


Unter Jugendlichen sind es typischerweise satanistische Autodidakten, die diese Form des Satanismus vertreten. Gruppenbildung findet kaum statt, Rituale sind, da Satan nicht als existierende Wesenheit gedacht wird, obsolet.



4.2.2 Satanismus als Lebenshilfe

Wenn Satan zum Inhalt religiösen Glaubens wird, kann von Satanismus als Lebenshilfe gesprochen werden. Hier geht es nicht darum, mittels Anrufung Satans festzustellen, ob sich da was tut. Dass Satan existiert und auch in diese Welt eingreift, ist Voraussetzung. Dieser Form des Satanismus geht es nun darum, mittels Rituale und Anrufungen dafür zu sorgen, dass Satan zu den eigenen Gunsten in die Welt eingreift, dem einzelnen von seiner Kraft schenkt und ihm hilft, das Leben zu bewältigen.

Diese Form des Satanismus wird zumeist von Jugendlichen betrieben, die infolge ihrer Ausbildung wenig Möglichkeiten haben, ihr Leben zu gestalten. Insbesondere arbeitslose Jugendliche sind für den religiösen Satanismus relativ einfach zu gewinnen. Hier tut sich vermeintlich eine Chance auf, die Lebenssituation zu verbessern. Der starke Herr der Welt wird für die Seinen sorgen.


Hier können dann kompensatorische Allmachtphantasien der betreffenden Jugendlichen anknüpfen. Sie, die im täglichen Leben zur Unterschicht gehören und bloss herumgeschubst werden, sind eigentlich die Elite der Menschheit, insofern sie mit dem Herrn der Welt im Bunde sind und seine Speerspitze darstellen. Nicht selten treten hier eschatologische Heilserwartungen hinzu: Satan wird eine neue Weltordnung begründen, die von den heutigen Satanisten angeführt wird.


Im religiösen Satanismus hat die Liturgik naturgemäss einen hohen Stellenwert: Durch Rituale soll Satan dazu gebracht werden, etwas von seiner Macht auszuteilen. Diesbezüglich engagierte Jugendliche erwerben deshalb gerne okkulte Literatur und versuchen, aus den meist schwer verständlichen Texten eigene Rituale zusammenzustellen. Elemente sind meist Gebete an Satan, allenfalls Opfer von Tieren und spiritistische Praktiken zwecks Kontaktaufnahme mit Satan.


In religiös satanistischen Zirkeln kann durchaus eine verhängnisvolle Dynamik aufkommen, ein Problem stellt oft die Kombination mit Drogenkonsum dar, nicht gering ist auch die Gefahr einer Uebernahme diesbezüglich engagierter Jugendlicher in Gemeinschaften erwachsener Satanisten.


Der religiöse Satanismus kann aber durchaus, es wird dies sogar der häufigere Fall sein, individuell und ohne Einbindung in eine Gemeinschaft vertreten werden. Letzteres bleibt zumeist eine Episode, die Herauslösung aus einer mehr oder minder organisierten satanistischen Gemeinschaft kann aber vor Probleme stellen.



4.3 Der pathologische Satanismus

Die Mehrheit der den Satanismus bezüglichen Anrufe bei jeglicher Beratungsstelle fallen ins Feld des pathologischen Satanismus. Es geht hier um Berichte angeblicher Satanisten, die sich im besseren Fall aus Aufschneiderei speisen, im ungünstigeren Fall Symptom sind für eine ernstliche psychische Erkrankung, zumeist paranoid-schizophrenen Typs. In diesen Fällen ist die "Auskunftsperson" einer geeigneten psychiatrischen Betreuung zuzuführen, problematisch bleibt der Einfluss der Erzählungen auf die Hörerschaft, die durch die Krassheit der Schilderungen irritiert werden kann.

Zum pathologischen Satanismus können auch durch psychische Störungen motivierte Straftaten gerechnet werden, die von Jugendlichen begangen werden, die sich satanistisch betätigen. Der Fall Sandro Beyer aus dem Jahr 1994 kann hierzu gezählt werden. Die Frage ist in diesen Fällen jeweils die von Ursache und Wirkung: Begründen sich Straftat und satanistische Betätigung zugleich in der problematischen psychischen Konstitution der Täterschaft, oder geht die Straftat auf die satanistische Betätigung zurück? Die Frage kann, wie der Fall Sandro Beyer und dessen Diskussion in der Literatur zeigt, nicht entschieden werden, weshalb eine Einordnung dieser Fälle, wo sowohl Satanismus als auch psychische Probleme eine Rolle spielen, in die Kategorie des pathologischen Satanismus sinnvoll sein mag.


Typisch für den pathologischen Satanismus ist zusammenfassend, dass die psychische Problematik manifest ist, wogegen die satanistische Betätigung bei näherem Zusehen sich als spärlich oder gar nur behauptet erweist.



5 Vom Umgang mit dem Jugendsatanismus

Zwei Grundsätze erweisen sich für den Umgang mit dem Jugendsatanismus als fruchtbar:

1. Der Jugendsatanismus darf weder überbewertet noch verharmlost werden.

2. Jeder einzelne Fall ist infolge der Vielseitigkeit des Jugendsatanismus gesondert zu betrachten.

Der häufigste Fall in der Praxis ist die Situation von Jugendlichen, die mit satanistischen Ritualen experimentellen Charakters in Kontakt kamen und in der Folge von Aengsten geplagt werden. Hierbei empfiehlt sich folgendes, aus der Angsttherapie übernommenes Vorgehen:

1. Erhebung des tatsächlich Geschehenen durch systematisches Rückfragen. Dabei entlastet sich die Geschichte meist ganz beträchtlich.

2. Diskussion von Alternativerklärungen im Fall von Wahrnehmungen, die als Wirkung Satans oder von Dämonen gedeutet wurden.

3. Erst nach dieser Gewinnung von Realität kann über die mit den Ereignissen verbundenen Gefühle sinnvoll diskutiert werden.

4. Allenfalls Gestaltung eines Rituals zum Abschluss der Ereignisse, z.B. eion Gespräch mit den Beteiligten oder ein Aufsuchen des Ortes des Geschehens.

Im weit gravierenderen Falle eines Involviertseins in eine satanistische Gruppe kommen die Massnahmen, die auch Sektenaussteigern gegenüber gelten, zum tragen. Hier ist insbesondere die Schaffung eines neuen sozialen Kontextes wichtig, zudem wird eine Therapie oft angezeigt sein.



6 Gibt es Möglichkeiten der Prävention?

Im Sinne einer Prävention vor satanistischer Betätigung kommen folgende Massnahmen in Betracht:
- Sorge für die soziale Einbindung der Jugendlichen

- Hilfe in Zeiten der Lebenskrise

- Aufweis von Möglichkeiten, das Leben aktiv zu gestalten

- Vermittlung einer vernunftgestützten Ethik

- Auseinandersetzung mit der Frage des Bösen

- Aufklärerischer, aber nicht apodiktisch-ablehnender Umgang mit paranormalen Phänomenen



7 Von der Zukunft des Jugendsatanismus

Der Jugendsatanismus hat den Charakter einer Modewelle längst überschritten. Manche seiner Motive bestehen fort, etwa die schwierige Situation von Jugendlichen mit niedrigerer Schulbildung oder der Wertewandel resp. -abbau in unserer Gesellschaft. Insofern ist nicht davon auszugehen, dass der Jugendsatanismus in den nächsten Jahren verschwindet. Das Protestpotential wird dem Jugendsatanismus allerdings in dem Masse abhanden kommen, wie sich die Gesellschaft an das Phänomen gewöhnt. Zum Zeitpunkt, wo Jugendsatanisten Kinder von Menschen sein werden, die in ihrer Jugend selbst satanistische Versuche anstellten, wird sich das Protestpotiential des Jugendsatanismus gänzlich erschöpft haben. Bis dahin wird unsere Gesellschaft in der Sache gefordert bleiben.


(c) Unbekannt



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