Fallen Angel
{PLACE_CONTENT}
{PLACE_POWEREDBY}


Banshee
  Startseite
    Gedanken
    Todesfälle
  Über...
  Archiv
  Claudy 666
  Engel
  Anneliese.....
  Geht die Jugend zum Teufel?
  Blut
  Letzter Augenblick
  Warum Papi??
  Werbung
  Test´s aus dem Internet
  Gästebuch
  Kontakt
 

  Abonnieren
 


 
Links
   Schwarze Rose

http://myblog.de/deaths

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Engel

,Glaubst du an Engel?', wurde ich einmal gefragt. Im ersten Moment wusste ich nicht was ich darauf antworten sollte, doch dann verneinte ich. Wieso auch? Ich hatte den Glauben damals schon lange verloren. Warum sollte ich überhaupt an irgendetwas glauben? Es half ja doch nicht.
Doch heute - würde ich ja sagen. Denn jeder Mensch braucht etwas woran er glaubt, wofür es sich zu kämpfen lohnt.

Mein Leben war bisher eher in schlechten Bahnen verlaufen: Ich hatte es mir anders vorgestellt, als dass es gekommen war und nun stand ich vor einem Scherbenhaufen. Vor den Trümmern meiner selbst. Ich hasste mein Leben und vor allem hasste ich meine Familie. Mein Vater hatte sich dem Alkohol verschrieben und war schließlich vor einem Jahr daran gestorben. Nicht, dass ich ihm eine Träne nach weinen würde. Sein Sohn hatte ihm nichts bedeutet. Und das beruhte auf Gegenseitigkeit. Ich konnte ihm noch nie etwas rechtmachen. Selbst wenn ich gute Noten nach Hause brachte, hatte er immer noch etwas daran auszusetzen. Meine Mutter war auch nicht viel besser. Sie war erfolgsverwöhnt. Es sollte nach ihrer Meinung alles besser, schöner und größer sein. Der Reichtum sollte sich schnell vergrößern. Ohne Zweifel sie war erfolgreich in ihrem Beruf. Sie war beinahe schon mit ihm verheiratet. Sie war es, die das Geld, die Brötchen nach Hause brachte und mein Vater war es, der es wieder für seinen Suff ausgab. Sie stritten sich oft darüber auch vor meinen Augen. Es war ihnen egal, ob ich später daran zerbrechen würde.
Heißt es nicht, dass ein Kind alles was seine Eltern tun mitkriegt und ist es auch noch so klein? Wenn auch unbewusst, doch das Geschehen wird es sich merken.

Am Anfang verteidigte sie mich noch gegenüber meinem Vater, wenn ich vergeblich versuchte ihm zu erklären, ihm etwas zu sagen - warum. Er hörte nie zu. Und meine Mutter gab es mit der Zeit auf gegen ihn anzureden. Auch sie war nicht sonderlich mit meinen Leistungen zufrieden. Ich sollte besser sein, besser als die anderen. Sie setzte mich unter Druck und unter Leistungszwang. Am Anfang wollte ich, dass sie stolz auf mich war und versuchte so zu sein, wie sie mich wollte. Doch dann brach ich unter ihr und ihrem Erfolgswahn zusammen.
Mein Gott, wie naiv war ich nur? Wie naiv war ich zuglauben, dass mich meine Mutter wenigstens liebte?
Je älter ich wurde und je älter sie wurde, umso mehr setzte sie mich unter Druck. Sie war rücksichtslos in allem, was sie tat und das ist sie noch bis heute. Natürlich. Menschen verändern sich, sie veränderte sich. Doch sie veränderte sich zum Schlechten.

Was ist das was man Liebe nennt? Kennen Menschen Liebe und können sie lieben? Ich weiß nicht was es ist. Ich habe es nie erfahren. Aber ich glaube nicht, dass es in einer kalten Welt irgendein Gefühl gibt.
Gefühl - ?

Mit der Zeit wurde es mir zu viel. Ich konnte nicht mehr. Sah meine Mutter denn nicht, wie es mir, ihrem Sohn ging? Vielleicht sah sie, was unweigerlich kommen würde, doch vielleicht war auch genau das besser. Denn so würde ich endlich Ruhe haben. Ruhe vor den Anderen. Ruhe vor der Welt. Frieden.
Ich hatte abgeschlossen. Es war an der Zeit, dass ich meine Schwingen ausbreitete, losfolg und alles hinter mir ließ, was mich quälte. Eine neue Zeit war angebrochen. Nicht ein einziges Wort kam mir über die Lippen, als ich an diesem Tag die Wohnung verließ. Sie würde mich nicht vermissen. Draußen regnete es und so fühlte ich mich. So hatte ich mich immer schon gefühlt. Kalt, nass und grau. Eine passendere Beschreibung konnte es dafür, für mein Leben, überhaupt nicht geben. Ich wusste, dass es der letzte Tag sein würde, danach hatte die ganze Qual ein Ende. Ich wusste wo ich hin musste. Ehe ich mich versah war ich da, an der Brücke. Darunter war eine Schnellstraße. Nun würde es schnell gehen. Ich musste nur über das Geländer steigen und meine Flügel ausbreiten. Die Autos waren wie Ameisen unter mir, die schnell vorbei huschten und ihrer Arbeit nachgingen. Außerhalb dieser Welt war niemand: Nur ich stand vor dem Brückengeländer. Niemand ging an mir vorbei. Die Leute waren froh zu Hause zu sein im Trocknen. Unter mir war die Straße, waren die Fahrzeuge.
,Nicht! Spring nicht!', drang eine Stimme an mein Ohr. Ich war doch noch bis eben allein gewesen und nun? Ich stand noch immer vor dem Brückengeländer.
,Tu das nicht! Kehr um!', sagte sie wieder, diese kindliche Stimme.
Langsam drehte ich meinen Kopf und sah ein kleines Mädchen. Sie stand mir genau gegenüber und blickte mich mit großen Augen an. Die nassen Haare hingen ihr ins Gesicht und auch sie war bis auf die Knochen durchnässt.
,Warum nicht?', sagte ich kühl. ,Mich hält nichts mehr hier. Gar nichts!'
,Jeder will leben. Dich würde bestimmt jemand vermissen, wenn du jetzt einfach so gehen würdest.'
,Wer denn? Meine Mutter? Nein, die ganz sicher nicht.', sagte ich barsch. ,Mir reicht es. Mir ist alles zu viel. Verstehst du?'
Sie überhörte die Frage und fragte stattdessen: ,Glaubst du an Gott?'
Ich lachte laut.
,Was soll diese dämliche Frage? Es gibt keinen Gott. Er ist nicht da und war es nie. Würde er die Menschen denn sonst so im Stich lassen? Auch du wirst noch lernen, dass es ihn nicht gibt, dass dein Glaube nur auf Sand gebaut war.'
,Aber jeder braucht etwas woran er glaubt, um leben zu können. Es ist wichtig, dass man an etwas glaubt. Glaubst du an Engel?', fragte sie.
Dieses Mädchen ließ nicht locker. Was wollte sie überhaupt von mir? Wir kannten uns nicht.
,Nein!', antwortete ich und sagte noch, , Engel sind Wesen, die man sich als Kind ausgedacht hat. Da war man noch naiv genug. Doch es gibt sie genau so wenig, wie das andere. Es sind nur Hirngespinste!'
,Doch es gibt Engel!'
,Nein!'
,Doch, doch. Ich hab schon mal einen gesehen.'
,Das hast du dir nur eingebildet!'
,Nein, das hab ich nicht!', nun schrie sie mich an.
,Es war ein Engel mit einem gebrochnen Flügel und zerschundener Seele.'
Ich erschrak konnte es sein.... Nein das war unmöglich warum sprach dieses Kind denn sonst in der Vergangenheit, wenn es anders war.
,Fang noch einmal an zu leben. Werde wiedergeboren und breite deine Flügel aus. Lass hinter dir, was dich bedrückt und schau nicht zurück. Lebe dein Leben. Trenn dich vom Alten.'
,Das tu ich doch', erwiderte ich.
,Nein, du beendest es aber du wirst damit nicht wiedergeboren.'

Diese kindliche Naivität überraschte mich. Sie gab nicht auf, obwohl sie das Schlechte doch auch mit bekam. Vielleicht war es ja gerade dieser naive Wille, der es einem möglich macht, die Welt mit anderen Augen zu sehen. Und dieser Wille etwas zu bewegen zog mich auf magische Weise an. Sie war höchstens acht und trotzdem lag in ihren Worten soviel Wahres, erkannte ich plötzlich.
Ich zögerte. Ich hatte die ganze Zeit gezögert. Es hörte auf zu regnen. Fast so, als wüsste der Himmel, dass mein Leben langsam bunt wurde und das alles nur wegen dieses Mädchens.
,Gib mir deine Hand!', sagte sie durch die Stille.
Langsam reichte ich ihr die Hand und kletterte wieder zurück.
,Na also. Vertraust du mir?'
Ich zögerte ehe ich antwortete. Ich würde es nicht ertragen, sollte mein Vertrauen enttäuscht werden. Doch dann sagte ich: ,Ja!'
Wir setzten uns auf den nassen Bürgersteig.
Sie strahlte mich an, wie ein Sonne. ,Da!' sagte sie kurz und zeigte auf mein Gesicht.
,Was?', fragte ich verwundert.
,Mein Geheimnis!', rief sie grinsend und fragte schnell ,Glaubst du an Engel?'
Nun zuckte ich mit den Schultern.

Der Himmel erstrahlte jetzt in seinem schönsten Blau und ich wusste, dass für mich ein neues Leben begonnen hatte. Mein altes lag hinter mir. Ich schaute nun nach vorn.
Wir standen auf und gingen.
Glaubst du an Engel?
Ich sah sie an.
Ja. Du bist mein Engel., dachte ich.

Ab und zu trafen wir uns und redeten miteinander. Es tat gut mit ihr zu reden, auch wenn sie erst acht war.

Ich suchte mir eine Wohnung und schloss endgültig das Buch. Mit meiner Mutter hatte ich keinen Kontakt mehr.
Mit meinem Engel blieb ich weiterhin in Kontakt. Wir schrieben uns Briefe.

Heute werde ich ihr helfen, auch wenn sie sagt, dass ich ihr nichts schuldig bin.

Glaubst du an Engel?

(c) Unbekannt



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung